Freitag, 12. Oktober 2012

Dresscode?

Ich bin vorhin beim Sichten älterer mails auch auf einen Beitrag im CIO Magazin gestossen mit dem Titel "Kleider machen Leute - 13 Tipps zum Kleidungsstil für Herren". Nun finde ich es durchaus positiv wenn die Herren Wert auf ihr Äusseres legen und das nicht nur von den Frauen erwarten, also habe ich mir mal angeschaut was denn der moderne Mann im Geschäftsumfeld so tragen sollte.

Um es vorweg zu nehmen, der Inhalt des Artikels war mehr als nur ernüchternd, ich fand ihn erschreckend. Los ging es mit:
Entscheider schließen vom Auftreten und der Kleidung auf die Arbeitseinstellung. Sie deuten das Outfit als Hinweis darauf, wie korrekt, zuverlässig und kreativ jemand arbeitet. Lesen Sie unsere Tipps zum Kleidungsstil für Männer.
DAS ist doch mal eine moderne Einstellung, vom Äusseren auf die innere Einstellung zu schliessen. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen müssen aber frau ist ja hart im Nehmen.

Bei Tipp 3 stand:
Wenn Sie eine Krawatte tragen, binden Sie diese ordentlich, wobei der oberste Hemdknopf geschlossen wird. Ist Ihnen der Kragen zu eng, müssen Sie neue Hemden kaufen. Alles dazwischen sind Halbheiten. Denken Sie daran: Manche Menschen schließen von Ihrer Kleidung auf Ihre Arbeitsweise ...
Ähm, ja, schon klar. Ich begann etwas selektiv zu lesen und kam dann schliesslich zur absoluten Krönung:
Tipp 11: Wo MANN individuell sein kann

Muss Mann im Kundenkontakt Anzug tragen, bleibt zur Individualisierung nur die Krawatte - das kleine Stoffstück mit großer Wirkung. Das bedeutet nun aber nicht, dass es ein Modell aus Leder, Holz oder mit Mickey-Mouse-Motiv sein soll. Wichtig sind stilvolle Krawatten, die immer aus reiner Seide sind, mit einem dezenten Muster. Doch hier bringt's die Farbe: blaue Krawatten strahlen Sachlichkeit und Ruhe aus, orange wirkt sehr lebhaft und kreativ, rote Krawatten vermitteln emotionale Wärme und haben eine hohe Signalwirkung.

Individualität lässt sich aber auch in der Wahl der Anzüge demonstrieren: Die Schnittform kann heute schlank sein und somit sportlich wirken. So können Männer einen unverwechselbaren Stil prägen, indem sie zum Beispiel nur Anzüge mit einem bestimmten Schnitt tragen oder Hemden mit einer bestimmten Kragenform. Manche Herren machen auch Schuhe zu ihrem Hobby und tragen nur bestimmte Modelle.

Individualität!
Alles klar, Anzug, aber die Krawatte überaus individuell wenn sie nur aus Seide und am besten dunkelblau ist, wow, DAS bietet wahrlich viel Gestaltungsspielraum.

Sicher gibt es auch für Frauen Kleidervorschriften, und was diese kompliziert macht ist dass die meisten davon ungeschrieben sind, aber nach Lektüre dieser Kleidervorschriften für Männer bin ich doch mal wieder richtig froh das männliche inzwischen sehr weit hinter mir gelassen zu haben.

Zu den Schuhen ist zu sagen dass dies sicher eins meiner Hobbies sind, nur wie man(n) darauf kommen kann dass es ein Hobby sein kann sich da auf bestimmte Modelle festzulegen erschliesst sich mir überhaupt nicht.




Geradezu wundervoll fand ich einen Kommentar zum Thema:
pinguino - 25.09.2012 13:35
Es wird Zeit einen angepassten Kleidungs-Knigge zu schreiben. Die Fakten aus dem Artikel sind den meisten ja bekannt. Die Frage für CIOs und IT-Leiter ist aber eine andere: Was ziehe ich als IT-Leiter an, wenn ich nicht in einer Bank, Versicherungsunternehmen oder Beraterfirma arbeite? Der Berater, aber auch der CIO mit perfekten Dress kommt bei der IT-Belegschaft nicht an, er findet dann keinen Zugang. Wann bin ich als CIO vielleicht overdressed? Ist es ein Problem als CIO besser gekleidet zu sein als der Geschäftsführer? Liebe Redaktion, schauen Sie sich die eigenen Bilder der CIOs in Ihren Artikeln an. Die entsprechen nicht Ihrem Artikel, eher der Realität. Beste Grüße

Ich bin mein ganzes Berufsleben in der IT tätig und auch schon einige Zeit als Berater unterwegs, und der Punkt ist wirklich dass der Anzugträger von denen die die Arbeit tun oft nicht ernst genommen wird.

Standhaft bleiben
Für mich schliesst sich das thematisch an "vom Ende her gedacht..." an wo ich mich u.a. mit der Frage befasst habe "Wer schreibt uns vor was wir zu tun oder zu lassen haben?" Die Frage "warum lassen sich erwachsene Menschen  so etwas überhaupt vorschreiben" drängt sich förmlich auf.

Ich frage mich aber auch was das Ziel des Ganzen ist, wer hat denn wirklich etwas davon wenn alle möglichst gleichförmig durch die (Berufs)welt laufen? Steigt dadurch die Qualität der geleisteten Arbeit oder dient es vor allem dazu, individuelle Abweichungen möglichst frühzeitig zu erkennen um sie sanktionieren zu können mit dem Ziel möglichst gleichförmiger und damit auch möglichst austauschbarer Mitarbeiter?

Dann wäre es doch ein Weg dass die Mitarbeiter von Firmen vertraglich verpflichtet werden während des Diensts vorgegebene Firmenuniformen zu tragen und Tipps für Frisur, Styling und natürlich die Farbe des Nagellacks gibt es auch noch. Unsinn, wird nie passieren? Weit gefehlt, so mussten Mitarbeiterinnen einer Firma die am Flughafen Köln/Bonn für Sicherheitskontrollen zuständig ist gerichtlich ersteiten ihre Nägel nicht nur einfarbig lackieren zu dürfen und den Männern wurde erlaubt, Haarteile zu tragen. An Männer mit Nagellack hat natürlich wieder niemand gedacht.

Geradezu legendär wurde der Dresscode der UBS, denn es ist doch undenkbar dass Frauen bei ihrer Unterwäsche etwas anderes als fleischfarbenes tragen oder sich die Herren die Krawatte anders als mit dem Windsorknoten binden. Auf 52 Seiten wurde detailliert festgelegt wie der genormte UBS-Angestellte sich zu präsentieren hat.

Es mag natürlich arbeitstechnische Gründe für eine bestimmte Berufskleidung geben und das Ganze mag ja auch in manchen Bereichen für die Arbeitssicherheit relevant sein. Aber hat eine gewisse kleidungsmässige Gleichheit der Angestellten einer Firma vielleicht doch Vorteile? Das Ganze erinnert mich etwas an die Diskussion über Schuluniformen, die in vielen Ländern der Welt üblich sind, und über deren Einführung in Deutschland auch gelegentlich diskutiert wird. Nun sind Schulen und die Arbeitswelt nicht so unmittelbar zu vergleichen, einen interessanten Artikel fand ich unter dem Titel "Besseres Sozialklima durch einheitliche Bekleidungsregeln in der Schule?" vom August 2004 in dem Überraschendes aus den Erfahrungen an einer Hamburger Schule berichtet wird:
Von den Ergebnissen war das Gießener Team selbst überrascht: In den höheren Klassen zeigt sich bei den Trägern einheitlicher Pullis ein besseres Sozialklima. Sie berichten, dem Unterricht aufmerksamer folgen zu können und sie legen in der Tendenz mehr Wert auf ein tiefes Verständnis der Unterrichtsinhalte als die Vergleichsschüler. Ebenso deutlich war der Unterschied zu der Frage, welchen Stellenwert Schülerinnen und Schüler Kleidung und schicken Klamotten generell beimessen. Hier übertreffen in den höheren Klassen die Vergleichsschüler die Träger der Schulkleidung deutlich.

Schulkleidung - ein probates Mittel, um in deutschen Klassenzimmern soziale Ausgrenzung vermeintlicher "Aldi-Kinder" zu verhindern? Können sich durch einheitliche Kleidung Schüler an der Schule sicher fühlen, weil sie nicht befürchten müssen, von den Mitschülern wegen teurer Kleidungsstücke "abgezockt" zu werden? Bewirkt der neue Dress-Code, dass sich die Eleven besser auf den Unterricht konzentrieren können, weil sie der Nachbarin nicht ständig auf den Bauchnabel starren müssen?
In einem anderen Bericht werden auch Nachteile benannt:
Dickhäuser sieht aber auch Nachteile von Schuluniformen: "Man nimmt den Jugendlichen in einem gewissen Maße ein Mittel zum Selbstausdruck." Außerdem hätten die Schüler in Einheitskleidung oft nicht die Möglichkeit, selbst herauszufinden, dass Markenkleidung nichts über den Charakter eines Menschen aussage. Das sieht Schulleiter Damian anders: "Außerhalb der Schule können sich die Jugendlichen schließlich anziehen, wie sie wollen." Allerdings würde auch Dickhäuser sein Kind auf eine Schule mit Uniformen schicken: "Es erspart dem Kind schon eine Menge psychosozialen Druck." 

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Bisher gibt es zu der Auswirkung von Schuluniformen kaum Studien. Das liegt daran, dass die Einheitskleidung an Schulen in Ländern wie Großbritannien oder Kanada immer üblich war und somit kein Vergleich möglich ist. Dickhäuser kann jedoch eine Studie aus den USA anführen. Im kalifornischen Long Beach District wurden im Schuljahr 1994/95 für 83.000 Schüler Uniformen eingeführt. "Eine Studie von 1996 belegt, dass es dort seitdem deutlich weniger gewalttätige Auseinandersetzungen unter Schülern oder Suspendierungen vom Unterricht gab," weiß der Psychologe.

Einiges davon lässt sich möglicherweise auf das Arbeitsleben übertragen, entsprechende Untersuchungen sind mir aber nicht bekannt.

Einen gewisser Kleidungsstil im privaten wie auch beruflichen Umfeld finde ich persönlich durchaus positiv, meine aber dass sich das auch ohne schriftliche Vorgaben leben lassen müsste. Mit der Idee einer Einheitskluft habe ich allerdings ganz grosse Schwierigkeiten und kann mir nicht vorstellen eine solche zu tragen.

Kommentare:

  1. Ich finde, dass man alles übertreiben kann. Wer ist eigentlich auf die glorreiche Idee gekommen, dass schwarz oder dunkelblau seriös ist? Wenn sich bei uns in der Firma Besuch ankündigt und sich alles in den dunklen Anzug wirft, der Besuch dann auch so ankommt, übrigens sind dunkle Hosenanzüge bei den Damen ganz in, bin ich immer am lästern, dass wieder eine Horde Pinguine auf dem Weg zu einer Beerdigung ist. Ich finde es grausam, jegliche Individualität geht verloren. Was sind das für Leute, die das ohne Wiederspruch mit sich machen lassen. Das geht geht doch fast nur über eine Gehirnwâsche.

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    1. Hallo Christine,

      den Begriff "Pinguine" habe ich auch immer gebraucht wenn mal wieder Berater-Rudel unterwegs waren. Besonders schlimm fand ich aber wenn die geschniegelten Männlein mit ihren schicken Laptops nichts anderes anzufangen wussten als viel Powerpoint und vielleicht noch etwas EXCEL.

      Dunkelblau kann schon ziemlich schick sein, aber ich mag mir halt nicht vorschreiben lassen was ich zu tragen habe.

      LG Corinna ;)

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